AERNI von Bolligen BE



Etymologie des Familiennamens
Verbreitung des Familiennamens
Von Ernj, Erne, Arne, Ärnÿ, Ärni zu Aernie
Auf den Spuren des Ursprungs
Unser Urvater Andres Ärni
Der Hammerschmied Meister
Samuel und seine Nachkommen
Taunerhaus im Schermen
Jean Jacques und die "Heimwesen" auf dem Ferenberg

Bendicht – das Leben eines Bolliger Bürgers dokumentarisch festgehalten





Der Hammerschmied Meister


Schon früh wurde Andres Meister. Beim Taufrodel-Eintrag seines ersten Sohnes Samuel, 1655, wird er als «Mr. Andres Erne dem Sägysen Schmid» betitelt.

Später wurde Andres Ärni bei den Einträgen im Chorgerichtsmanual wie auch in den Taufrödeln als
«der Hammerschmid» und ab 1663 als «Meister Hammerschmied» bezeichnet. Aus den Berichten über die Hammerschmiede in Worblaufen ist ersichtlich, dass von 1663 bis ca. 1710 eine Lücke besteht, in der man nicht präzise weiss, wer diese Hammerschmiede betrieb.

Worblaufen 1671

Sepiaaquarell von August Gruner, gemalt ca. 1834
Als Vorlage diente ein Aquarell des bekannten Architekturmalers Albrecht Kauw

Das dreistöckige Gebäude am Ufer der Worblen ist die Hammerschmiede

Über die Hammerschmiede Worblaufen sind von Historiker Christian Lerch, der im Jahre 1944 aus Anlass des 100-Jahr-Jubiläums für die Hammerwerke Müller die Festschrift verfasst hat, und von Dr. Hans Gugger, der in seinem Ittigen-Buch ebenfalls ausführlich über diese Hammerschmiede berichtet, folgende Fakten bekannt:

• Im Jahre 1563 kaufte der Bernburger Niklaus Wymann die Hammerschmiede, um hier eine Senseschmiede einzurichten, weil die fremden Sensenhausierer so viel gutes Geld aus dem Land trugen.
• Im Jahre 1578 ging die Hammerschmiede in den Besitz des Jakob Hess über.
• Im Jahre 1615 verkaufte Niklaus Hess - wohl der Sohn des Jakob - den Betrieb der städtischen Hufschmiedgesellschaft, die sich in frühen Jahren ja so bemüht hatte, die Tätigkeit der Schmiede in Worblaufen einzuschränken.

Wie diese Zunftgesellschaft die Hammerschmiede durch einen vermutlich weitgehenden Neubau 1615/16 zur Sensenschmiede umfunktionierte, ist bis in alle Einzelheiten im «Registerbuch, in welchem verlybet, was
E.E.Gesellschaft zun Schmiden zu Anrichtung der Sägessenschmitten zu Worblouffen für umbcosten gehept» dokumentiert.



Hammerschmiede.

Der Holzschnitt (Strassburg 1488) entstand in einer Zeit, als in Worblaufen der erste «Hammer» erwähnt wird. Der durch ein unterschlächtiges Wasserrad getriebene Wellbaum ist mit Nocken versehen, die das hintere Ende des Schwanzhammers niederdrücken und anschliessend den Hammer auf das Schmiedegut fallen lassen.

• Recht häufig sind in dieser Zeit in den Chorgerichtsmanualen Namen von Handwerkern anzutreffen. Doch ist auch hier nicht eindeutig festzustellen, ob es sich um den Meister - den Unternehmer - oder den Gesellen handelt. So ist 1626 vom Heinrich Kohler, der in der Hammerschmitten zu Worblaufen verbotenerweise Wein ausschenkt, die Rede. Um 1640 wird der alte Hammerschmied Rieder erwähnt. 1648 und später noch mehrmals muss der offenbar streitsüchtige Büchsenschmied Hans Urach Hartmann vor Chorgericht erscheinen.

• Von der unteren Hammerschmiede, der ehemaligen Sensenschmiede, hören wir im Jahre 1649, dass sie Hans Reinhard - er war Mitglied der Gesellschaft zu Schmieden - dem Hans Grossmann verkaufte, von dem sie aber schon bald an Jakob Wyss überging, der jedoch 1663 in Konkurs geriet.

Also, bis 1663 ist alles lückenlos aufgeführt. Die 40 folgenden Jahre blieben etwas im Dunkeln. Um diesen Zeitabschnitt etwas aufzuhellen folgt die Zusammenfassung von bereits bekannten und neu gefundenen Fakten:

• Im Jahre 1654 heiratet
Andres Ärni in Bolligen Anna Grogg. Anna stammt aus der Familie Grogg, die später über Generationen Besitzer der Hammerschmiede waren.

• Im Jahre 1655 ist Maria Pastor, die Frau von «Mr. Hansen Grossmann Kupferschmied» Patin von
Samuel Ärni, dem ersten Sohn von Andres und im Jahre 1660 ist eine Barbara Grossmann Patin. Hans Grossmann
war Besitzer der Hammerschmiede ab 1649, d.h. er hat vermutlich Andres um die Zeit von 1650 bei sich angestellt.

• Am 16. August 1663 wird Andres im Chorgerichtsmanual als «Hammerschmied» bezeichnet. Am 23. August und 13. September 1663 steht bereits «Mr. Andres Ärni». Es ist also belegt, dass er zu diesem Zeitpunkt mit Sicherheit ein «Meister» war..

• Im Jahre 1666 wird zum ersten Mal der Name Grogg in Zusammenhang mit der Hammerschmiede erwähnt: der Hammerschmied Knecht
Ulli Grogg schwängert fast gleichzeitig zwei Frauen. Das Chorgericht entscheidet, dass er die erste zur Frau nehmen muss. Es handelt sich um Barbara Hess, einer Familienangehörigen des ehemaligen Hammerschmied-Besitzers Niklaus Hess.
Siehe Kapitel «Amt & Sitten».



• Im Jahre 1671 wird ein Jakob Reinlin im Chorgerichtsmanual als Hammerschmied erwähnt.

• Andres Ärni wird auch für eine Zeit an die dem Staat gehörende Schmiede an der Matten in Bern gerufen. Beim Taufeintrag seines letzten Kindes im Dezember 1676 wird er als
«Hammerschmied an der Matten» genannt. Die Arbeitsaufnahme dürfte zeitlich aber früher liegen, denn seine letzten Söhne wurden ebenfalls im Berner Münster getauft, Johannes im April 1668 und Wilhelm im Juni 1670.

Samuel Ärni, der erste Sohn von Andres heiratet im Dezember 1679 in Bolligen Catharina Grogg. Sie werden bald darauf Worblaufen verlassen haben, denn alle ihre vier Kinder sind in der Zeit von 1683 bis 1691 in Frutigen getauft wurden.

• Im Jahre 1682 werden unter anderen ein «Meister Stephan Reynli» sowie ein Sohn von Andres wegen «Festen und Tanzen» vor Chorgericht zitiert.

• Im Jahre 1683 wird zum ersten Mal der Hammerschmied
Hans Grogg erwähnt.

• Am 1. Februar 1685 wurde eine ganze Reihe von jungen Leuten vor das Chorgericht aufgeboten, weil sie im Wirtshaus bei der oberen Papiermühle «zunacht getrunken und gedantzed und das vor der heilige Weihnachtzeit». Darunter befand sich auch die Tochter von Andres das Anni. Andres wird hier mit der Ortsangabe «bym Schermen» bezeichnet. Der «Schermen» liegt zwischen der Wegmühle und der Papiermühle. Demzufolge wohnte Andres nicht mehr bei der Hammerschmiede in Worblaufen.

• Erst aus einem Kaufvertrag aus dem Jahre 1710 geht klar hervor, dass
Jakob Grogg, geboren 1669,
ein Sohn von Hans Grogg, rechtsmässiger Besitzer der Hammerschmiede ist.

• Während fünf Generationen bleibt die Hammerschmiede im Besitz der Familie Grogg. Nachfolger waren 1839 zwei Verwandte der Gattin von Johann Rudolf Grogg: Johannes und Rudolf Müller von Tolochenaz bei Morges. Die heutigen Besitzer sind die Nachkommen dieser Familie Müller.

Zusammenfassend kann man aus diesen Punkten schliessen, dass Andres nie Besitzer der Hammerschmiede war, sie (oder ein Teil dessen) aber als Meister von 1663 an wohl führte und dass die ersten Grogg-Generationen die Kunst des Hammerschmiedens bei ihm erlernten.


Die Hammerschmiede
im 16. Jahrhundert wo
Andres Ärni mit seiner
Familie wohnte und als
Meister die Kunst des
Hammerschmiedens
weitergab.

Aus der Jubiläumsschrift
”100 Jahre Hammerwerke
Müller / Worblaufen
1844 – 1944”,